Fünf (wenig kluge) Sätze, mit denen wir die Zukunft nicht erreichen werden

Die Welt von morgen besser zu machen, beschäftigt uns jeden Tag. Dabei nerven die Sprüche von Menschen, die vor ihrer Verantwortung einfach weglaufen wollen. Hier ein best of – und was wir ihnen entgegnen können.

Menschen ändern sich nicht“

Der europäische Humanist und Philosoph Erasmus von Rotterdam gilt als einer der bedeutendsten Universalgelehrten der beginnenden Neuzeit im 16. Jahrhundert. Auf die Frage, wie man für sich den besten Weg durch das eigene Leben finde, fand er einprägsame Worte, die auch für ihn selbst zu einer Lebensmaxime wurden. Er sagte: „Am Ende stellt sich die Frage: Was hast du aus deinem Leben gemacht? Was du dann wünschst, getan zu haben, das tue jetzt.“

Erasmus von Rotterdam ging es dabei nicht darum, das eigene Ende herbeizusehnen und in Erwartung des Todes ein Leben in Trauer und Begrenztheit zu führen. Viel mehr war die zentrale Botschaft, das eigene Leben ernst zu nehmen und von früh an die Dinge zu tun, die über das eigene Leben hinausreichen und der eigenen Existenz einen Sinn verleihen – so sehr, dass man auch in der Stunde des Todes zufrieden auf das eigene Leben zurückblicken kann.

Menschen können sich ändern, wenn sie nur wollen. Lange Zeit war dies ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu allen anderen Lebewesen. Inzwischen wissen wir, dass auch höher entwickelte Tierarten ihr Verhalten anpassen können. Doch niemand so sehr wie der Mensch, der Schöpfer von Kunst, Kultur und Technik. Durch seinen Intellekt ist er nachgerade gezwungen, seinem Leben auch wirklich einen Sinn zu geben, es immer besser zu machen.

Mit Kraft und Stärke auf das eigene Leben zu blicken ist dank der Aufklärung inzwischen ganz selbstverständlich geworden. Doch obwohl so viele Menschen so viel Gutes tun, erscheint es doch als nicht gut genug. Was wäre, den Leitgedanken von Erasmus von Rotterdam aufgreifend, wenn nicht nur ein einzelner Mensch, sondern die Menschheit als Ganzes zufrieden von einer gelungenen Zukunft auf ihre Vergangenheit zurückblicken könnte? Was müsste hierzu geschehen sein? Wie müsste diese Zukunft aussehen?

Tatsächlich lässt sich dieses Gedankenexperiment führen und eine Welt entwerfen, in der die zentralen Fragen der Menschheit wie Krieg, Hunger und Umweltzerstörung gelöst sind. Ich habe dies mit meinem Buch „ANNINARRA – Die Zukunft als Möglichkeit“ (Veröffentlichungstermin Oktober 2024) getan.

Was zu tun ist, diese neue Welt zu erreichen? Als Erstes aufhören zu glauben, eine bessere Zukunft sei nicht möglich, weil wir Menschen uns nicht ändern können. Wir können!

„Früher war alles besser“

Betrachtet man die täglichen Berichte über Krieg und Zerstörung, über die Missachtung von sozialer Gerechtigkeit und der Menschenrechte und über die Zerstörung von Natur und Umwelt, breitet sich bei vielen eine große Traurigkeit aus. So viele Menschenleben und Lebenschancen werden zerstört und damit nicht nur dem Einzelnen, sondern der ganzen Welt der Weg in eine bessere Zukunft verstellt.

Leider ist immer noch nicht erkennbar, dass sich die Menschheit entschlossen auf den Weg in eine bessere Zukunft aufmacht, obwohl doch alle Fakten auf dem Tisch liegen. Wir müssen damit rechnen, dass schlimmere Krisen als die, die wir jetzt schon tragen, noch folgen werden. So wird sich die Klimakrise weiter verschärfen und mit ihr die Leistungsfähigkeit der Umwelt für die Lebensmittelproduktion sinken, werden Menschen in allen Teilen der Welt immer stärker ihre Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit einfordern. Nur wenig ist erforderlich, um zu erkennen, dass wir nicht mehr auf Kosten anderer leben und Hass und Krieg zu einem Ende kommen müssen, wenn etwas besser werden soll. Je früher wir damit anfangen, diese Erkenntnis umzusetzen, desto schneller werden wir unser gemeinsames Ziel auch erreichen.

Angesichts der vielen Veränderungsnotwendigkeiten in der heutigen Zeit richten manche ihren Blick zurück in die Vergangenheit, in der doch angeblich alles besser war als heute. Ich kann verstehen, dass sie versuchen, auf diese Weise Frieden mit sich und der Welt zu finden. Wenn man bedenkt, wie schnell sich das Wissen der Menschheit weiterentwickelt, ist kaum begreifbar, wie eindimensional, verstaubt und langweilig diese Vergangenheit tatsächlich gewesen sein muss. Und wie wenig hilfreich für die Gestaltung einer besseren Zukunft.

Wenn wir etwas aus den Krisen der heutigen Zeit lernen, dann ist es doch, dass mit den Strukturen und Verhaltensweisen von gestern die Probleme der Zukunft nicht mehr lösbar sind. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, das Alte abzuschaffen. Aber doch zumindest, dass sich neue Strukturen und Prozesse entwickeln müssen, mit denen wir auch tatsächlich in die Zukunft gehen können.

Je mehr ich habe, desto besser“

Zu Beginn der Menschheit galt es, einen Weg mit der Natur zu finden, um an einer schier unfassbaren Menge an Ressourcen teilzuhaben. Jäger und Sammler lernten, sich in ihrer Umwelt anzupassen, um zu überleben. Später, als die Menschheit sesshaft wurde, wurde die Erde urbar und sich untertan gemacht. Dann kam die Industrialisierung, und mit ihr eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, wie es die Welt noch nie zuvor gesehen hat.

Längst ist die Menschheit zu einer invasiven Art geworden, eine Art, die sich so lange weiter ausbreiten wird, bis sie sich selbst ihrer Lebensgrundlagen beraubt hat. Und längst richtet sich die Ausbeutung der zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht nur gegen die Erde, sondern gegen die Menschheit selbst, ist zu einem Wettkampf untereinander geworden, wer über mehr und wer über weniger Ressourcen verfügt.

Wir alle werden aber nur dann auf der Erde überleben, wenn wir eine Möglichkeit finden, auf Dauer im Einklang mit den natürlichen Grundlagen unseres Heimatplaneten zu leben. Der Menschheit muss bewusst werden, welche Ressourcen auf der Erde zur Verfügung stehen, und sie muss Wege finden, diese nicht mehr zu ver-brauchen, sondern nur noch zu ge-brauchen und danach vollständig wieder zu recyceln.

Diese Solidarität kann nur entstehen, wenn zugleich klar ist, dass jedem einzelnen Menschen das gleiche Recht an den Ressourcen dieser Erde zusteht. Erst, wenn ein Maßstab zur Verfügung steht, wie viele Ressourcen dieser Welt zur Verfügung stehen, können wir unser Verhalten entsprechend anpassen und Unternehmen auffordern, die Produktion entsprechend auszugestalten. Erst dann kann sich Technologie auf diese neuen Anforderungen einstellen und dafür sorgen, dass es niemandem schlechter, aber allen besser gehen wird.

Eine solche Veränderung ist nicht von heute auf morgen erreichbar. Doch es muss endlich begonnen werden, diesen Weg zu gehen.

Lasst uns Mauern errichten“

Seit dem Anbeginn der Menschheit war der Zusammenleben in sozialen Verbänden eine wichtige Voraussetzung, um gemeinsam zu bestehen. Die Horde gab dem Einzelnen Schutz und sicherte das Überleben für alle. Sie gab Regeln vor, die von allen einzuhalten waren.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden die sozialen Zusammenschlüsse immer größer, wurde die Legitimation der Herrschaft immer mehr demokratischen Regeln unterworfen. Der Siegeszug der Freiheit ist inzwischen in der Welt unaufhaltsam geworden, denn der Glanz, die sich daraus für jeden Einzelnen ergibt, leuchtet hell und klar. Selbst autokratische Systeme und Führer müssen sich heutzutage dem Anschein hingeben, ihre Herrschaft sei doch auch demokratisch legitimiert und vom gesamten Volk gewollt.

Die Fragen, die von der Menschheit zu lösen sind, gehen inzwischen jedoch weit über den Handlungsrahmen eines einzelnen Staates hinaus. Immer wieder wird gefordert, Mauern zu errichten, um das Leben in den Staaten zu schützen, doch wie hoch müssten diese Mauern sein, um den Problemen, vor denen die Menschheit heutzutage steht, tatsächlich zu begegnen? Es ist naiv sich vorzustellen, dass ein Staat, losgelöst von der restlichen Welt, irgendwie in der Lage sein könnte, den globalen Herausforderungen auch nur annähernd Einhalt gebieten zu können.

So wichtig und wertvoll die Staaten im Inneren sind und bleiben, um Freiheit, Menschenrechte und Wohlstand zu sichern, so schwierig ist es ihnen geworden dafür zu sorgen, die Welt von morgen zu sichern, denn jeder Staatschef ist in erster Linie dem Wohlergehen seines eigenen Landes verpflichtet und nicht dem Wohlstand der Welt.

Was es braucht, sind neue Formen des Zusammenwirkens, die über die staatlichen Grenzen hinaus das Wohl aller Menschen in den Blick nehmen. Hierzu werden neue Institutionen entstehen, die die Interessen der Menschheit unabhängig von den Staaten vertreten. Je näher wir diesem Ziel kommen, desto mehr wird es die Staaten entlasten, sie von Aufgaben befreien, die sie ohnehin nicht mehr in der Lage sind zu tragen.

Mein Leben ist Maßstab für alle“

Wenn wir die Entstehungsgeschichte des Universums betrachten, wird schnell deutlich, dass es von dem Urknall bis heute der Maxime der Gestaltung einer immer höheren Komplexität gefolgt ist. Aus Atomen entstanden Moleküle, aus der Materie Sterne und Galaxien, und schließlich Leben in einer immer höheren Entwicklungsform. Auf diesem Weg gilt es fortzuschreiten.

Die Herausforderungen dieser Welt lassen sich nur lösen, wenn wir jedem Einzelnen auf der Basis seiner Kultur und seiner Identität die Chance geben, seinen persönlichen Beitrag für die Gestaltung einer besseren Welt zu leisten. Technologische Entwicklungen können diesen Prozess unterstützen, doch gefunden werden muss er von den Menschen selbst. Deshalb ist der Verlust auch nur eines einzigen Menschen immer auch ein Verlust für die Zukunft der Menschheit.

Neben der Kultur, die jeder einzelne Mensch mitbringt, wird es daher auch immer wichtiger, eine Kultur zu entwickeln, die uns als Menschheit auf der Erde eint. Sie wird ein Dach bilden und auf der Basis der universellen Menschenrechte jeden Einzelnen in seiner Individualität schützen und es ermöglichen, mit Kreativität, Können und Vielfalt den Weg in die Zukunft wirklich gehen zu können.

Nur dann, wenn wir die Demut behalten zu erkennen, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind und nur auf dem Weg sein können, immer noch besser zu werden, werden wir die Zukunft auch erreichen können.

Fazit

Wenn etwas sicher ist, dann doch dies: Wir alle wollen die Zukunft erreichen, sowohl für uns selbst, aber auch für unsere Kinder, Verwandten, Freunde, unsere Kultur und schließlich auch für die Menschheit insgesamt, die doch ein so unendliches Potenzial an Schönheit und Vielfalt in sich birgt.

Trotz aller Katastrophen, die auf uns zukommen, haben wir alle auch weiterhin die Chance, dieses Ziel zu erreichen. Es gilt, die Perspektive einzunehmen, die schon Erasmus von Rotterdam eröffnet hat. Von einer gelungenen Zukunft in die heutige Zeit zu blicken und das, was heute dazu notwendig ist, davon abzuleiten.

Das ist die Aufgabe, zu der ich mich mit meinem Buch ANNINARRA und meinem Blog Die Zukunft als Möglichkeit verpflichtet habe. Folgen Sie mir in diese neue Welt, und helfen Sie mit, diesem Ziel Leben zu verleihen.

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Christian Buske
Christian Buske

Ich lebe und arbeite in Schleswig-Holstein. Die täglichen negativen Schlagzeilen im Weltgeschehen und die literarische Umsetzung in Endzeitdramen und Dystopien veranlassten mich, einen Gegenentwurf zu entwickeln. Wie kann eine Welt aussehen, in der die grundlegenden Probleme der Menschheit wie Krieg, Hunger und Umweltzerstörung gelöst und ihr dauerhaftes Überleben auf der Erde gesichert wäre?