Das Elend mit dem Plastik

Plastik ist in unserem Leben allgegenwärtig, sogar an Orten, an denen es uns alles andere als lieb ist. In der gegenwärtigen Nutzung scheint es unersetzlich: Nehmen wir einen Veranstaltungsort irgendwo auf der Welt und stellen uns vor, es gäbe dort kein Plastik, dann säßen die meisten Menschen in kahlen Hallen praktisch nackt auf dem Boden. Trotz – oder vielleicht auch wegen – der vielfältigen Nutzung ist Plastik zugleich ein teuflisches Produkt: Es vermüllt Meere und Umwelt und vergiftet Ökosysteme, tötet Fische und andere Lebewesen und gefährdet die menschliche Gesundheit. Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden. Keiner kann sagen, welche Schäden es dort mittel- und langfristig bei Menschen und Umwelt anrichten wird.

Die Vereinten Nationen hatten sich im Jahr 2022 zum Ziel gesetzt, gemeinsam gegen die Plastikverschmutzung in der Welt vorgehen. Leider ist der geplante globale Vertrag vorerst gescheitert. Trotz zuletzt nächtlichen Verhandlungen konnten die Diplomaten aus gut 180 Ländern an ihrem Verhandlungsort in Genf kaum etwas erreichen. Dabei braucht es auf der Welt dringend eine Einigung. Streit gab es unter anderem darüber, ob und wie die Plastikproduktion auf ein nachhaltiges Niveau begrenzt werden kann und wie Länder des Globalen Südens finanziell unterstützt werden können, um Recyclinglösungen umzusetzen.

Nach einer Zählung der Organisation Zentrum für internationale Umweltgesetzgebung – Center for International Environmental Law (CIEL) – waren 234 Lobbyisten der petrochemischen Industrie bei den Verhandlungen dabei, teils als Mitglieder der Delegationen, teils als Beobachter. Das seien mehr gewesen, als die Mitglieder der diplomatischen Delegationen der 27 EU-Länder zusammen.

Auf der anderen Seite standen mehr als 100 Länder mit besonders ehrgeizigen Zielen. Dazu gehörten Deutschland, die EU und Dutzende Länder in Südamerika, Afrika und Asien. Sie wollten Einwegplastik wie Becher oder Besteck aus dem Verkehr ziehen, Plastikprodukte zur Mehrfachverwendung und eine Kreislaufwirtschaft fördern, bei der die Rohstoffe eines Produkts aufbereitet und erneut verwendet werden.

Der Vertrag sollte nach dem Mandat, das die UN-Länder sich 2022 gegeben hatten, rechtsverbindlich sein und den ganzen Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung.

Deutschland ist der größte Plastikproduzent in Europa. Die gesammelten Kunststoffabfälle werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums aber nahezu vollständig verwertet, entweder als Grundstoff für neue Produkte oder zur Energieproduktion. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik wurden 2023 aber immer noch gut 694.000 Tonnen Kunststoffabfälle exportiert, immerhin acht Prozent weniger als im Jahr davor.

Zur Verschmutzung durch Plastik gibt es viele Zahlen. Die folgenden stammen aus dem deutschen Umweltministerium: Die Kunststoffproduktion hat sich demnach von den 1970er Jahren bis 2020 auf 367 Millionen Tonnen pro Jahr versiebenfacht und könnte ohne Maßnahmen bis 2050 fast 600 Millionen Tonnen im Jahr erreichen. Einen großen Teil machen den Angaben zufolge Einwegprodukte aus, darunter Verpackungen. Insgesamt seien bislang insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert worden und davon 6,3 Milliarden Tonnen zu Abfall geworden, der großenteils auf Deponien landete. In Flüssen und Ozeanen haben sich nach Schätzungen weltweit 152 Millionen Tonnen Plastikabfälle angesammelt.

Immer noch haben rund 2,7 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu einer geordneten Entsorgung und Wiederverwendung der Materialien. Auch hier muss dringend angesetzt werden. Aber auch ein Ersatz von Kunststoffen zum Beispiel durch Verbundstoffe, zum Beispiel bei Lebensmittelverpackungen, ist kritisch zu betrachten, da diese häufig noch schwerer und schlechter zu recyeln sind als Kunststoffe selbst. Der wichtigste Schritt bei der privaten Nutzung bleibt der Erste: Auf Plastikprodukte, wo irgend es geht, zu verzichten und andere Lösungen in Anspruch nehmen.

Christian Buske
Christian Buske

Ich lebe und arbeite in Schleswig-Holstein. Die täglichen negativen Schlagzeilen im Weltgeschehen und die literarische Umsetzung in Endzeitdramen und Dystopien veranlassten mich, einen Gegenentwurf zu entwickeln. Wie kann eine Welt aussehen, in der die grundlegenden Probleme der Menschheit wie Krieg, Hunger und Umweltzerstörung gelöst und ihr dauerhaftes Überleben auf der Erde gesichert wäre?