Buch

Es ist das größte Experiment der Menschheit und es liegt in den Händen zweier Menschen: Julia Avalux und Pathein U Tin werden zu Hütern des letzten Waffenlagers der Welt ernannt. In der kleinen Siedlung in der australischen Wüste scheint zunächst alles hoffnungsvoll, doch dann brechen sich Gier, Neid und Besitzdenken wieder Bahn. Und neben ihrer Liebe steht für Julia und Pathein plötzlich alles auf dem Prüfstand. Wie wird die Zukunft der Menschheit aussehen? Voller Liebe und vom Fortschritt geprägt oder wird die Welt an ihrer eigenen Maßlosigkeit untergehen? Eine kluge, mitreißende Utopie über unsere Zukunft als Möglichkeit.

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Leseprobe

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Das Flugzeug ist schon eine ganze Weile unterwegs. Julia drückt sich in den gläsernen Sessel und starrt auf den Piloten, der sich im Cockpit den tobenden Wolken entgegenstemmt. Anzeigetafeln und Dutzende Lämpchen blinken. Im Laderaum darunter rutschen Koffer und Pakete von einer Seite zur anderen. Ansonsten passiert nichts, über viele Kilometer.

„So also sieht die Zukunft aus, Pathein“, sagt sie leise. „Ein Flugzeug aus Glas.“

„Eine schöne Zukunft“, brummt Pathein.

Seine ausdrucksstarken Augen, die sich deutlich von den sanften Gesichtszügen abheben, leuchten dunkel. Er trägt einen gelben Rock, ein weißes Oberhemd und eine goldgelb glänzende Kappe, die das schwarze Haar bedeckt. Die Kleidung seiner Heimat Myanmar.

Sanft neigt sich das Flugzeug in eine Linkskurve. Der junge Mann im Cockpit geht einen Schritt zur Seite, gähnt und streckt die Arme. Entnervt blickt Julia von ihrem hellblauen Chiffonkleid auf die Stiefeletten hinunter. Rote Schuhe, die durch Wolken rasen. Als sie im vergangenen Jahr am Flughafen von Doha das erste Mal ein gläsernes Flugzeug gesehen hat, hat sie sich geschworen, nie im Leben in so ein Ding einzusteigen. So viel dazu. Sie seufzt leise und schließt die Augen.

Das Schwanken des Flugzeuges erinnert sie an den Kamelritt in Chaur al-Udaid vor einem Jahr, an dem sie während des 50. Jahrestages des weltweiten Verbots fossiler und atomarer Energieträger am 29. März 2103 teilgenommen hat. Während abends auf der Festveranstaltung am Binnenmeer mehrere Tausend Menschen dem Erlöschen der Lichter zur Earth Hour beiwohnten, wurden Texte vorgelesen, die deutlich machten, mit wie viel Ehrfurcht die Menschen im Jahr 2053 über das Verbot gesprochen, es nicht für möglich gehalten hatten, dass so etwas jemals umgesetzt werden könnte. Doch es war geschehen. Wie so vieles andere auch.

Eine Gänsehaut streicht über Julias Arme. Sie schiebt sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und sieht zu Pathein herüber. „Was meinst du, werden heute wirklich alle Staaten kommen?“

„Mal sehen, was sie sich noch alles einfallen lassen“, antwortet er, ohne den Kopf zu heben. „Bisher hat noch niemand abgesagt.“

Als alle Teile der Welt immer intensiver miteinander vernetzt wurden, als auf einmal jeder wusste, was früher nur Konzernchefs und Ministern vorbehalten war, hat sich alles geändert. Überwiegend getragen von jungen, engagierten Menschen, entstanden in kurzer Folge eine Vielzahl von Sozialunternehmen, die sich der Gemeinschaft statt der Gewinnmaximierung verschrieben hatten und die mit neuen digitalen Verfahren auf Transparenz und Offenheit setzten. Wie auch die Preisbildungsmaschinen, mit denen sich für jedes Produkt herausfinden ließ, was dessen Herstellung gekostet hatte. Plötzlich äußerten Kunden in Geschäften ihren Unmut, wenn Produkte überteuert angeboten oder Erzeuger in anderen Teilen der Welt betrogen wurden. Bald traute sich niemand mehr, ohne Begründung von der für ihn berechneten Gewinnnorm abzuweichen oder Umwelt- und Sozialstandards zu missachten.

Zur neuen Transparenz gehörten auch die sachgebundenen Bürgerentscheidungen, mit denen man sich weltweit über alles unabhängig informieren und politisch Stellung beziehen konnte. Es war erstaunlich, wie einig sich die Menschheit bei vermeintlich komplizierten politischen Fragen sein konnte, obwohl die Staatschefs selbst diese Einigkeit über Jahrhunderte hinweg nie zustande gebracht hatten. Innerhalb kurzer Zeit wurden Streitigkeiten beigelegt, über die viele Jahre Auseinandersetzungen und sogar Kriege geführt worden waren. …


Mein Roman Anninarra wird im Herbst 2024 erscheinen. Tragen Sie sich in meinen Newsletter ein, um zu den Ersten zu gehören, die den genauen Veröffentlichungstermin erfahren.